Ein Tag in Overath im Jahr 2030…

7.00 Uhr, Großhurden.

Die kleine Flotte von 12 autonomen Fahrzeugen, die sich rund 200 Anwohner am Großhurdener Berg gemeinsam zugelegt haben, setzt sich in Bewegung. Die Mobilitätskosten für jeden einzelnen sind deutlich gesunken. Für die selten vorkommenden Engpässe besteht eine Kooperation mit der Gemeinschaft aus Immekeppel. Die Stadt zahlt einen Zuschuss, da sie Geld für Schülerverkehr wie Bushaltestellen spart.

Carsharing

Carsharing wird – ob privat in Großhurden oder doch eher in einem größeren Gebiet – das Modell der Zukunft sein. Derzeit stehen private Autos im Schnitt 23 Stunden am Tag still. Heutige Carsharing-Modelle in Großstädten erreichen eine 5-6 mal so hohe Auslastung. Autonome Autos könnten theoretisch rund um die Uhr eingeplant werden – vor allem aber auch in ländlichen Gebieten, da man sie nicht suchen muss, sondern rufen kann.

Beitrag zum Thema Carsharing und autonomes Fahren

8.00 Uhr, Overath.

Sebastian Maniok (32) fährt autonom zu seiner Arbeitsstelle in Köln. Die Fahrtzeit, während der er bereits am Laptop arbeitet, kann er sich bei seinem Arbeitgeber als „mobiles Homeoffice“ anrechnen lassen. Auf diese Weise kommt er jeden Monat auf 20-30 Stunden mehr Freizeit.

Mobiles Homeoffice

Autonom fahrende Autos bieten freie Hände und freien Kopf. Auch die Inneneinrichtung kann in Zukunft völlig anders aussehen, zum Beispiel kann das Auto zum mobilen Büro werden. Es spricht nichts dagegen, die Zeit bei der Fahrt zum Arbeitsplatz bereits sinnvoll mit Arbeiten verbringen zu können. Homeoffice betreiben schon heute manche auf der Wiese oder im Café – warum in Zukunft nicht auch im Auto?

9.30 Uhr, Marialinden.

Hannelore Siebert (89) steigt in ihr autonomes Auto, das sie zu ihrer Freundin nach Untereschbach bringen wird – zum Frühstück und zu Klatsch und Tratsch. „2020 haben mir meine Kinder den Führerschein weggenommen, weil ich nicht mehr sicher fahren könnte“, sagt sie. „Ich habe sie verflucht! Obwohl sie ja Recht hatten. Heute kann ich fahren, wann und wohin ich will – und ich fühle mich 20 Jahre jünger!“

Mobile Senioren

Im Jahr 2035 werden laut Statistischem Bundesamt 30% der Bevölkerung über 65 sein. Sieben Millionen mehr als heute. Den Führerschein abgeben wollen heute die wenigsten, auch wenn die Fahrtauglichkeit durch gesundheitliche Probleme abnimmt. Gerade in Gegenden mit geringer Besiedelung und wenig ÖPNV ist es kaum möglich, ohne Auto die notwendigen alltäglichen Dinge zu erledigen und soziale Kontakte zu pflegen. Vereinsamung oder ein nicht zu vermeidender Umzug in eine Pflegeeinrichtung können die Folgen sein.

Studie zu Nutzergruppen autonomer Autos

11.30 Uhr, Steinhofplatz.

Erna Gruber (78) sitzt im Café mitten auf dem Steinhofplatz im Grünen. Früher stand hier alles voller Autos - heute blühen hier die Obstbäume. Erna trifft sich mit ihrer Enkelin Pia (16) und deren Freundinnen aus dem nahen Schulzentrum.

Ein schöner Frühlingstag

Neue Mobilitätskonzepte, das Teilen von Autos und Autofahrten, verbesserter ÖPNV, Fahrradwege und mehr werden dazu führen, dass weit weniger Parkraum als heute benötigt wird. Damit wird wertvoller Raum für Begrünung oder für Wohn-/Arbeitskonzepte mitten in den Innenstädten frei.

14.00 Uhr, Lölsberg.

Plötzlich scheint die Sonne und Maria Suttner (40) möchte den Nachmittag mit ihren drei Kindern im Garten verbringen statt mit ihnen zum Einkaufen zu fahren. Per App bestellt sie die Zutaten für das Abendessen und den kommenden Tag beim Supermarkt. Eine Stunde später fährt das autonome Kühlauto vor und sie nimmt ihre Tüte mit den Bestellungen in Empfang.

Essen auf Rädern

Zwei Google-Ingenieure haben ein solches Auto bereits konstruiert und in den Testlauf geschickt. Auf kurzen Wegen können Lebensmittel und andere Waren für den alltäglichen Bedarf ausgeliefert werden. Zwei Frachtkammern können variabel für verschiedene Waren ausgestattet werden, die beispielsweise gekühlt werden müssen.

Homepage des Prototypen

14.30 Uhr, Lölsberg.

Lea Suttner (14) hat keine Lust, den Nachmittag mit ihrer Mutter und ihren zwei Geschwistern im Garten zu verbringen. Sie möchte lieber am Steinhofplatz mit ihren Freundinnen Eis essen gehen. Mutter seufzt, gibt aber ihr OK, das autonome Taxi zu rufen.

Teenager-Träume

Autonome Robotaxen sind bereits heute im Einsatz im ganz normalen Straßenbetrieb, und zwar in mehreren Städten. Je mehr es werden, desto normaler wird es sein, sie zu nutzen und desto preiswerter werden die Fahrten sein.

Waymo fährt durch Arizona
Daimler und Bosch planen Robotaxi

16.00 Uhr, Brombacher Berg.

Jana Schneider (24) erwischt heute den autonomen Kleinbus nach Overath mit der Schuhausstellung. Und da sind sie: Die Traumschuhe! Leider sind sie nicht in ihrer Größe im Regal, aber sie wird gleich ins Ladengeschäft huschen. Damit nichts schief geht, lässt sie sie über das Display im Bus schon mal zurücklegen.

Grenzenlose Möglichkeiten

Toyota hat auf der Messe CES 2018 ein Konzept mit der variablen Ausstattung von autonomen Kleinbussen vorgestellt. Vom Schuhgeschäft über die Pizzeria bis zum Flohmarkt-Auto. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Was sich bietet sind neben neuen Möglichkeiten der Mobilität auch neue Vertriebswege für Einzelhändler und Dienstleistungsunternehmen.

Video Toyota E-Commerce-Auto

17.00 Uhr, Steinenbrück.

Lydia Rader und ihre Kinder möchten am Wochenende etwas unternehmen. Sie entschließen sich zu einer Fahrt ins Phantasialand. Die Eintrittskarte (50 Euro) können sie sich leisten, weil die Ausgaben für Mobilität immer geringer geworden sind.

Mehr Budget für Freizeit

Die Ausgaben für Mobilität werden mit neuen Konzepten tendenziell sinken, weil sich die Anschaffungs- und Betriebskosten auf mehrere Personen aufteilen.

23.30 Uhr, Stadtmitte.

Es war ein feucht-fröhlicher Abend mit den Vereinskollegen in der „Stadtmitte“ (natürlich gibt es die auch 2030 noch). Max Ewert (23) tippt seine Adresse am Bildschirm neben der Theke ein. Die Robotaxi-Software ermittelt automatisch, welche Gäste an der gleichen Strecke wohnen und schickt ein Auto mit passender Anzahl Sitze. So kostet die Fahrt nach Hause kaum mehr als ein zusätzliches Kölsch.

Hände weg vom Steuer

Autonome Autos werden keine Verbrennungsmotoren haben. Sie sind leise. Sie sind sauber. Auch an den Hauptstraßen wird man wieder mit offenen Fenstern schlafen können, morgens die feuchte Frühlingsluft riechen und die Vögel zwitschern hören.